Die Kundengeschichte: warum eine Referenz allein nichts verkauft

Deine Kunden lesen keine Bewertungen, um herauszufinden, ob du gut bist. Sie lesen sie, um herauszufinden, ob das bei ihnen auch funktioniert. Genau diese Frage beantwortet eine Referenz nie. Eine Kundengeschichte schon.

Bernhard Kalhammer · Positionierung und Business Storytelling · über 200 Beratungsmandate · Lesezeit 14 Minuten

Die kurze Antwort

Eine Kundengeschichte ist die dokumentierte Veränderung, die ein echter Kunde in der Zusammenarbeit mit dir durchlaufen hat, erzählt aus deiner Perspektive als Anbieter. Sie folgt sieben Stationen: Ausgangspunkt, Herausforderung, erster Kontakt, Wendepunkt, Weg, Ergebnis, Erkenntnis.

Der Unterschied zur Referenz liegt in der Frage, die beantwortet wird. Eine Referenz beantwortet, ob du gut bist. Eine Kundengeschichte beantwortet, ob es beim Leser funktionieren kann. Vor einer Kaufentscheidung steht immer die zweite Frage im Raum.

Die vollständige Fassung umfasst 2.000 bis 2.500 Wörter und geht in diesem Umfang nie nach außen. Sie ist der Rohstoff, aus dem Startseite, Landingpage, Fragenblock, LinkedIn-Beiträge, Anzeigen und der Leitfaden fürs Verkaufsgespräch entstehen.

Die Szene, die sich in jedem Mandat wiederholt

Ich sitze einem Bauunternehmer gegenüber. Erfolgreiches Unternehmen, volle Auftragsbücher, Menschen, die seit zwanzig Jahren für ihn arbeiten. Ich stelle ihm eine einzige Frage: „Erzählen Sie mir von diesem einen Kunden."

Was zurückkommt, klingt so: hundertachtzig Quadratmeter Wohnfläche, vierzehn Monate Bauzeit, Wärmepumpe, Fußbodenheizung, Doppelgarage, im Zeitplan geblieben.

Eine Projektbeschreibung. Kein Mensch darin.

Diese Szene wiederholt sich, seit ich mit Unternehmern arbeite. Bei Bauunternehmen genauso wie bei einer Beratung für Konzern-IT, bei einer Zahnarztpraxis genauso wie in einem Innovationsbereich von Mercedes-Benz. Die Menschen, die ich frage, kennen ihre Projekte in jedem Detail. Was ihnen fehlt, ist der Zugriff auf das, was in diesen Projekten mit einem Menschen passiert ist.

Und genau das ist die Substanz, aus der eine Kundengeschichte gebaut wird.

Ich habe die Podcast-Folge zu diesem Thema nach einem Vormittag aufgenommen, an dem ich parallel an drei Kundengeschichten saß, zwei davon für Bauunternehmer. Der Text hier ist die redaktionell ausgearbeitete Fassung, ergänzt um das, was in eine Audiofolge nicht hineinpasst: das Interview-Vorgehen, die Veröffentlichungswege und die Bausteine, die danach entstehen.

Der Denkfehler: Referenz und Kundengeschichte sind zwei verschiedene Dinge

Wenn ich frage, wie Unternehmen den Beweis für ihre Arbeit führen, kommt fast immer dieselbe Antwort: Wir haben Referenzen. Auf der Website, bei Google, auf den Bewertungsportalen. Alles zwischen vier und fünf Sternen.

Eine Referenz ist ein Urteil über dich. Jemand bewertet die Zusammenarbeit, das Produkt, die Erfahrung. Jederzeit wieder. Sehr empfehlenswert. Alles bestens gelaufen. Das ist schön zu lesen und es hat seinen Platz.

Eine Kundengeschichte ist etwas anderes. Sie beschreibt eine Veränderung, die ein Mensch durchlaufen hat. Das ist keine graduelle Abstufung. Das ist eine andere Kategorie.

Der Unterschied wird sichtbar, sobald du dir anschaust, welche Frage jeweils beantwortet wird.

Kriterium Referenz Kundengeschichte
Was sie ist Ein Urteil über dich und die Zusammenarbeit Eine Veränderung, die ein Mensch durchlaufen hat
Beantwortete Frage Ist der gut? Funktioniert das bei mir auch?
Perspektive Der Kunde spricht über dich Du berichtest, was du gesehen hast
Wirkung Bestätigung Wiedererkennung
Umfang Zwei bis fünf Sätze 2.000 bis 2.500 Wörter als Rohstoff
Weiterverwendung Zitat auf der Website Startseite, Landingpage, Fragenblock, LinkedIn, Anzeigen, Verkaufsgespräch

Dein Interessent will vor der Entscheidung eine einzige Sache wissen: Kann das bei mir auch funktionieren, in meiner Situation, mit meinen Bedingungen. Eine Referenz lässt ihn damit allein. Eine Kundengeschichte lässt ihn mitlaufen, Station für Station, bis er an einer Stelle denkt: das bin ich.

Deshalb funktioniert Wiedererkennung besser als Beweisführung. Nimm das Beispiel eines Bauunternehmens, dessen Zielgruppe junge Familien sind, die zum ersten Mal bauen. Wenn ich selbst zu dieser Gruppe gehöre und in der Geschichte eine Familie lese, in der der Vater ein eigenes Unternehmen führt, die Mutter im Sportbereich arbeitet und zwei Kinder im Haushalt leben, dann ordne ich mich in Sekunden ein. Ich brauche keine Argumente mehr. Ich habe ein Bild.

Der Beweis entsteht nicht dadurch, dass du behauptest, gut zu sein. Er entsteht dadurch, dass jemand sich in deiner Arbeit wiedererkennt.

Wo die Kundengeschichte in der GDV-Methode sitzt

Die GDV-Methode arbeitet mit drei Geschichten und einem Einsatzsystem. Die Ursprungsgeschichte klärt, wofür du stehst, warum du das tust und woher deine Haltung kommt. Sie baut Vertrauen und Tiefe auf. Die Zukunftsgeschichte zeigt, was sich verändert, wenn sich jemand für dich entscheidet. Sie trägt die Entscheidung.

Dazwischen steht die Kundengeschichte, und sie hat eine einzige, sehr klare Aufgabe: Sie liefert den Beweis für alles, was du in deiner Ursprungsgeschichte behauptest. Ohne sie bleibt deine Positionierung eine Ankündigung.

Das sieht man auf Startseiten sehr gut. Oben steht eine klare Aussage über das, was ein Unternehmen tut und warum es der Richtige dafür ist. Und darunter kommt dann: Familienunternehmen seit 1914, gewachsene Strukturen, kurze Wege, ein paar Werte. Das ist keine schlechte Information, aber sie beweist nichts. Eine Kundengeschichte an derselben Stelle löst beim Leser eine andere Reaktion aus. Er liest weiter und denkt: das funktioniert also wirklich.

Die Perspektivfrage: wer erzählt, entscheidet über die Reichweite

Hier biegen die meisten falsch ab, und zwar mit den besten Absichten. Sie lassen den Kunden erzählen. Ein Video, ein langes Zitat, ein Interview im Originalton. Das wirkt authentisch und es ist gut gemeint. Es macht die Geschichte aber eng.

Wenn der Kunde durchgehend selbst spricht, sprichst du nur noch den Teil deiner Zielgruppe an, der genau diesem einen Menschen gleicht. Der selbstständige Vater mit der Yogalehrerin und den zwei Kindern erreicht dann exakt die selbstständigen Väter mit Yogalehrerinnen und zwei Kindern. Alle anderen fallen heraus.

Deshalb erzählst du die Kundengeschichte aus deiner Perspektive. Du berichtest, was du gesehen hast. Du beschreibst, was in den Gesprächen passiert ist, worauf du reagiert hast, wo es geknirscht hat. Die Stimme des Kunden kommt vor, in Form echter Zitate an den richtigen Stellen. Interpretiert wird sie von dir.

Der Effekt ist eine Verschiebung von der Nahaufnahme in die Halbtotale. Die Geschichte behält ihre Details und bleibt trotzdem breit genug, dass sich mehrere Menschen darin einordnen können. Das ist der ganze Trick, und er entscheidet darüber, ob eine Kundengeschichte zehn oder tausend Interessenten erreicht.

Die 7 Stationen einer Kundengeschichte

Das ist das Gerüst, mit dem ich in jedem Mandat arbeite. Du kannst es sofort auf dein nächstes Kundenprojekt anwenden. Halte die Reihenfolge ein, sie trägt die Dramaturgie.

01 Ausgangspunkt

Wer sitzt da eigentlich, was hat dieser Mensch bereits, und warum ausgerechnet jetzt? Der Status quo, kurz bevor sich etwas bewegt. Das Beste, was du hier tun kannst, ist mit einem Originalzitat zu starten und daraus eine Szene zu bauen. Ein Satz, den dein Kunde im ersten Gespräch gesagt hat, öffnet die Geschichte besser als jede Einordnung.

Leitfrage: Was hat diese Person gesagt, als sie zum ersten Mal vor mir saß?

02 Herausforderung

Was fehlt dieser Person wirklich? Und hier wird es interessant: Das ist meistens etwas völlig anderes als das, was sie selbst als Problem benennt. Der Bauherr sagt, er sucht ein gutes Angebot. Was ihm fehlt, ist jemand, der ihm die Angst nimmt, bei der größten Investition seines Lebens etwas falsch zu machen.

Das musst du im Gespräch heraushören. Es steht nie im Protokoll.

Leitfrage: Was ist das fehlende Stück, das niemand ausspricht?

03 Erster Kontakt

Jetzt machst du deine Arbeitsweise sichtbar. Wie ist der Kontakt entstanden, wie liefen die ersten Gespräche, was passierte danach, wann und wie startete die Zusammenarbeit? Beschreibe diesen Ablauf konkret.

Der Wert liegt darin, dass dein Unterschied hier sichtbar wird, ohne dass du ihn behaupten musst. Behauptungen prüft ein Leser. Beschreibungen nimmt er auf.

Leitfrage: Wie arbeite ich, wenn man mir dabei zuschaut?

04 Wendepunkt

Der eine Moment, in dem sich etwas dreht. In jeder ernsthaften Zusammenarbeit gibt es diesen Punkt, an dem aus einem Auftrag eine gemeinsame Sache wird. Ein Satz fällt, eine Entscheidung wird getroffen, ein Widerstand löst sich.

Wenn du diesen Moment nicht benennen kannst, hast du im Interview nicht tief genug gefragt.

Leitfrage: Ab wann war es ein anderes Projekt als vorher?

05 Der Weg

Was dazwischen passiert ist. Einschließlich dessen, was schiefgegangen ist. Hier fällt der größte Teil der Glaubwürdigkeit an, und hier lassen die meisten Unternehmen den größten Teil ihrer Wirkung liegen.

Wenn du nur von den guten Dingen erzählst, glaubt dir das niemand. Es geht immer irgendetwas schief. Erzähle es und zeige, wie du es gedreht hast.

Leitfrage: Was lief schief, und wie bin ich damit umgegangen?

06 Ergebnis

Woran hat der Kunde gemerkt, dass sich etwas verändert hat? Zeige das an einem Detail statt an einer Zahl. Eine Prozentangabe ist austauschbar, ein Detail bleibt hängen.

Am stärksten wird diese Station, wenn du die Szene aus Station eins wieder aufgreifst und weiterdrehst. Derselbe Mensch, derselbe Ort, veränderte Situation.

Leitfrage: Wann genau hat der Kunde es gespürt, und wie?

07 Erkenntnis

Der eine Satz, der hängen bleiben soll. Welche Erkenntnis hat dein Kunde aus dieser Reise mitgenommen? Löse einen Satz heraus, der auch dann noch funktioniert, wenn jemand die Geschichte längst vergessen hat.

Aus dieser Station entstehen später deine Klammersätze.

Leitfrage: Welcher Satz überlebt die Geschichte?

Wie du an das Material kommst

Eine Kundengeschichte beginnt nie am Schreibtisch. Sie beginnt in einem Gespräch. Ich gehe immer mit einem Interview hinein, mit einem festen Fragebogen und einem klaren Ablauf, weil ich sehr viel aus dem Kopf meines Kunden herausholen muss, bevor ich überhaupt anfangen kann zu schreiben.

In diesem Gespräch lasse ich laufen. Ich unterbreche wenig, ich sortiere nicht mit, ich sammle. Sortiert wird danach. Vier Prinzipien entscheiden darüber, ob am Ende genug Substanz auf dem Tisch liegt.

Frag mindestens dreimal nach dem Warum

Nicht einmal. Dreimal. Die erste Antwort ist die eingeübte, die zweite die überlegte, und die dritte ist die unangenehme. Genau die dritte bringt das, was du brauchst. Das gilt genauso, wenn du gerade keinen Kunden vor dir hast und deine eigene Zusammenarbeit im Nachhinein rekonstruierst. Dann frag dich selbst dreimal.

Achte auf Wiederholungen

Wenn ein Kunde denselben Wunsch dreimal nennt, ist das eher eine Bedingung als eine Vorliebe. Menschen wiederholen, was ihnen wirklich wichtig ist, ohne es zu merken. Ich notiere im Interview mit, wie oft ein Thema auftaucht. Was dreimal fällt, gehört in die Geschichte.

Höre auf Szenen, nicht auf Aussagen

Aussagen sind zusammengefasste Wirklichkeit. Szenen sind Wirklichkeit. Ein Beispiel aus einem Bauprojekt: Ein Paar geht zwanzig verschiedene Muster für einen Bodenbelag durch, weil ein großer Hund im Haushalt lebt. Der Boden soll nicht zerkratzen, der Hund soll nicht darauf ausrutschen, und nachhaltig soll das Material auch noch sein.

In der Aussage heißt das: dem Kunden war die Materialauswahl wichtig. In der Szene heißt das: zwanzig Muster, ein Hund, und ein Unternehmen, das sich die Zeit dafür genommen hat. Die Szene erzählt in einem Bild, was dein Unternehmen ausmacht. Die Aussage erzählt gar nichts.

Baue ein, was schiefgegangen ist

Das mache ich in jeder einzelnen Kundengeschichte. Ein Interessent sucht förmlich nach der Stelle, an der es Probleme gab, weil er wissen will, wie du reagierst, wenn es unangenehm wird. Bist du kulant, kommst du mit einer Lösung, oder gibt es Ärger?

In den Bauprojekten ist das oft ein Wunsch des Bauherrn, der am Bebauungsplan scheitert und schlicht nicht umsetzbar ist. Diese eine Stelle macht die Geschichte glaubwürdiger als jedes Lob im ganzen Text. Denn danach kommt die entscheidende Frage: Wie hat das Unternehmen reagiert, und mit welcher Lösung ist es um die Ecke gekommen?

Wenn ich vom schlechtesten Fall ausgehe und sehe, dass dieses Unternehmen ihn für mich dreht, dann vertraue ich diesem Unternehmen.

Klarname oder anonymisiert

Für die Veröffentlichung gibt es zwei Wege, und beide sind sauber.

Weg eins: mit Klarnamen. Dafür brauchst du die Freigabe. Du schickst dem Kunden die fertige Geschichte, bevor irgendetwas online geht. Das ist kein Formalismus. In einer guten Kundengeschichte stehen persönliche Details, und manches davon möchte jemand womöglich nicht in der Öffentlichkeit sehen. Wer das nicht vorher klärt, vergrault genau den Menschen, dem er gerade ein Denkmal setzen wollte.

Weg zwei: anonymisiert. Du änderst Namen und Details und ziehst Szenen aus mehreren Projekten zusammen. Alles bleibt echt, erfunden wird nichts. Unter dem Text steht ein kurzer Hinweis, dass Namen und Details geändert wurden. Dieser Weg ist besonders im gehobenen Mittelstand und im Konzernumfeld oft der einzig gangbare, und er funktioniert genauso gut.

Was danach mit der Geschichte passiert

Die vollständige Kundengeschichte hat 2.000 bis 2.500 Wörter. In diesem Umfang geht sie nie nach außen. Sie ist das Fundament. Was nach außen geht, sind die Bausteine, die du daraus ziehst.

Der Beweis auf der Startseite. Direkt unter deiner Positionierung. Du behauptest oben etwas, und darunter steht der Beleg. Das ist die wirksamste einzelne Änderung, die die meisten Websites vertragen können.

Eine eigene Detailseite. Die ausführliche Fassung als eigene Seite mit eigener Adresse. Sie arbeitet in der Suche und du kannst sie im Verkaufsprozess verschicken.

Der Fragenblock. Die echten Fragen aus dem Projekt, sauber beantwortet. Er arbeitet für Suchmaschinen und für Sprachmodelle. Wenn jemand eine KI nach deinem Thema fragt, willst du in dieser Antwort vorkommen.

Die Klammersätze. Zwei bis drei Sätze, die überall identisch auftauchen. Aus Wiederholung entsteht Wiedererkennung, und aus Wiedererkennung entsteht Vertrauen.

Beiträge für LinkedIn. Aus sieben Stationen werden mühelos sieben Beiträge. Jeder für sich verständlich, alle auf dasselbe Fundament gestellt.

Der Leitfaden fürs Verkaufsgespräch. Echte Kundengeschichten statt Verkaufsskript. Vergiss das Skript. Geschichten wirken im Gespräch um ein Vielfaches besser, weil dein Gegenüber sie nachvollziehen kann.

Das Prinzip der Klammersätze verdient einen eigenen Blick. Für eines der Bauunternehmen, die ich begleite, ist aus der Kundengeschichte dieser Satz entstanden:

Wir begleiten nicht nur ein Haus, das entsteht. Wir begleiten Menschen durch ein Stück ihres Lebens.

Dieser Satz steht jetzt auf der Startseite, im Angebot, in der Signatur, im Erstgespräch. Er wurde aus einer echten Zusammenarbeit herausgelöst und nicht am Reißbrett erfunden. Deshalb hält er. Und deshalb trägt er eine der wichtigsten Entscheidungen, die ein Mensch trifft: mit wem er sein Haus baut.

Die Reihenfolge, an der die meisten scheitern

Ein Punkt, an dem ich in Mandaten regelmäßig bremsen muss. Die Reihenfolge lautet: erst die Seite bestücken, dann den Traffic daraufleiten.

Erst bindest du die Bausteine ein, auf der Startseite, auf den Landingpages, in den Kanälen, in denen du sichtbar bist. Danach schickst du Menschen dorthin. Wer eine Anzeige auf eine Seite schickt, die inhaltlich noch leer ist, kann das Budget genauso gut direkt anzünden. Das Ergebnis ist dasselbe, nur langsamer.

Implementieren, dann agieren. In dieser Reihenfolge und in keiner anderen.

Vier Einwände, die ich in fast jedem Erstgespräch höre

„Unsere Kunden wollen nicht genannt werden."

Dann anonymisierst du. Namen und Details ändern, Szenen aus mehreren Projekten zusammenziehen, ein Hinweis unter dem Text. Ich habe Kundengeschichten für Konzerne geschrieben, in denen kein einziger echter Name steht. Ihre Wirkung ist unverändert, weil die Wirkung aus der Wiedererkennung kommt und nicht aus dem Namensschild.

„Wir haben keine spektakulären Ergebnisse vorzuweisen."

Gut. Spektakuläre Ergebnisse sind für eine Kundengeschichte ohnehin das schwächere Material, weil sich niemand darin wiedererkennt. Was du brauchst, ist ein Projekt mit einem echten Wendepunkt und mindestens einer Stelle, an der es schwierig wurde. Das hat jedes Unternehmen. Meistens sogar in dieser Woche.

„Dafür haben wir keine Zeit."

Ein Interview dauert 60 bis 90 Minuten. Die Ausarbeitung passiert danach. Aus diesem einen Termin entstehen die Startseite, eine Detailseite, ein Fragenblock, die Klammersätze, mehrere Beiträge und ein Leitfaden für den Vertrieb. Gerechnet auf das Ergebnis ist das der günstigste Termin im ganzen Quartal.

„Unsere Referenzen reichen doch."

Sie reichen für die Frage, ob du gut bist. Diese Frage stellt sich dein Interessent aber erst, wenn er schon glaubt, dass du der Richtige für seine Situation sein könntest. Vorher steht eine andere Frage im Weg, und für die brauchst du eine Geschichte, in der er sich selbst sieht.

Welchen deiner Kunden könntest du eigentlich erzählen?

Das ist die Frage, mit der ich diesen Text schließen möchte, und sie hat einen zweiten Teil, der wichtiger ist als der erste: Warum hast du es bisher nicht getan?

In den meisten Fällen liegt der Grund darin, dass niemand im Unternehmen den Auftrag hatte, das Projekt als Geschichte zu betrachten. Die Projekte sind da. Die Menschen sind da. Die Wendepunkte sind da. Was fehlt, ist das Gerüst und jemand, der die richtigen Fragen stellt.

Nimm die sieben Stationen, nimm deinen letzten Kunden, mit dem etwas Echtes passiert ist, und schreib die erste Fassung. Sie muss nicht gut sein. Sie muss vollständig sein.

Fragen zur Kundengeschichte

Was ist eine Kundengeschichte? Eine Kundengeschichte ist die dokumentierte Veränderung, die ein echter Kunde in der Zusammenarbeit mit dir durchlaufen hat, erzählt aus deiner Perspektive als Anbieter. Sie beschreibt Ausgangssituation, Herausforderung, ersten Kontakt, Wendepunkt, Weg, Ergebnis und Erkenntnis. Ihr Zweck ist Wiedererkennung: Der nächste Interessent soll sich in der Geschichte selbst sehen.

Was ist der Unterschied zwischen einer Kundengeschichte und einer Referenz? Eine Referenz ist ein Urteil über dich. Jemand bewertet die Zusammenarbeit in wenigen Sätzen und beantwortet damit die Frage, ob du gut bist. Eine Kundengeschichte beschreibt eine Veränderung, die ein Mensch durchlaufen hat, und beantwortet die Frage, ob das beim Leser auch funktionieren kann. Vor der Kaufentscheidung steht immer die zweite Frage im Raum.

Aus welcher Perspektive schreibt man eine Kundengeschichte? Aus deiner Perspektive als Anbieter. Du berichtest, was du gesehen und erlebt hast, und baust Originalzitate des Kunden an den passenden Stellen ein. Erzählt der Kunde die Geschichte durchgehend selbst, wird sie zu eng und spricht nur den Teil deiner Zielgruppe an, der genau diesem einen Menschen gleicht.

Wie lang sollte eine Kundengeschichte sein? Die vollständige Fassung umfasst in der Regel 2.000 bis 2.500 Wörter. In diesem Umfang wird sie nie veröffentlicht. Sie ist der Rohstoff, aus dem gekürzte Fassungen für Startseite, Landingpage, Verkaufsgespräch und LinkedIn entstehen.

Was mache ich, wenn mein Kunde nicht namentlich genannt werden möchte? Es gibt zwei zulässige Wege. Erstens Klarname mit schriftlicher Freigabe, wofür du dem Kunden die fertige Geschichte vor der Veröffentlichung schickst. Zweitens Anonymisierung: Namen und Details ändern und Szenen aus mehreren echten Projekten zusammenziehen. Erfunden wird dabei nichts. Unter dem Text steht ein Hinweis, dass Namen und Details geändert wurden.

Gehören Zahlen in eine Kundengeschichte? Zahlen dürfen vorkommen, tragen die Geschichte aber nicht. Wirksamer ist ein Detail, an dem der Kunde selbst gemerkt hat, dass sich etwas verändert hat. Details sind erinnerbar, Prozentangaben sind austauschbar.

Soll ich erwähnen, was in einem Projekt schiefgelaufen ist? Ja. Eine Geschichte, in der alles glatt läuft, nimmt dir niemand ab. Interessenten suchen aktiv nach der Stelle, an der es geknirscht hat, weil sie wissen wollen, wie du reagierst, wenn es schwierig wird. Beschreibe das Hindernis und zeige, mit welcher Lösung du gekommen bist. Das schafft mehr Vertrauen als jedes Lob.

Wie finde ich den richtigen Kunden für eine Kundengeschichte? Nimm den Kunden, der deiner Wunschzielgruppe am ähnlichsten ist, und nicht den mit dem spektakulärsten Ergebnis. Wiedererkennung schlägt Rekord. Ein Projekt mit sichtbarem Wendepunkt und mindestens einer schwierigen Stelle eignet sich besser als ein reibungsloses Vorzeigeprojekt.

Wo wird eine Kundengeschichte eingesetzt? Aus einer Kundengeschichte entstehen mehrere Bausteine: ein Abschnitt auf der Startseite direkt unter der Positionierung, eine eigene Detailseite, ein Fragenblock für Suchmaschinen und Sprachmodelle, wiederkehrende Klammersätze, Beiträge für LinkedIn, Werbeanzeigen und ein Leitfaden für das Verkaufsgespräch.

Was ist die GDV-Methode? Die GDV-Methode ist das Positionierungssystem hinter „Geschichten, die verkaufen". Sie besteht aus drei Geschichten und einem Einsatzsystem: der Ursprungsgeschichte für Haltung und Vertrauen, der Kundengeschichte als Beweis, der Zukunftsgeschichte für die Entscheidung, und dem Story-Einsatzsystem, das festlegt, welche Geschichte an welcher Stelle in Marketing und Vertrieb arbeitet.

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